#nichtgesellschaftsfähig „Tod, Verlust, Trauer und das Leben“ Statements

Statements in Langform

„Wenn die eigene Mutter stirbt, wird alles anders. Das Leben. Die Familie. Auf der Trauerfeier habe ich gesagt: Du hast mich die Liebe gelehrt. Das empfinde ich auch heute, viele Jahre später, noch genau so. Meine Mutter war das Licht und die Liebe, Wärme und Geborgenheit. Ich trage Kindheitserinnerungen in mir, in denen sie mit mir gespielt und gelacht hat, für mich da war, uns umsorgt hat. Kleine Momente, die mir alles bedeuten. Sie ist viel zu früh von uns gegangen, da war sie erst 58 Jahre alt. In der Zeit danach war in unserer Familie ihr Verlust auf schmerzhafte Weise allgegenwärtig.“

Was ist dein Lieblings-Satz/Zitat zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„Trauern ist die Lösung, nicht das Problem.“ (Chris Paul)

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung/dein
Lieblingsbuch und warum?

„Das Leben und ich: Eine Geschichte über den Tod“ – ein Kinderbuch von Elisabeth Helland Larsen.
Aber auch sehr zu empfehlen für Erwachsene.
Ich persönlich finde den Tod in diesem Buch, hier ein kleines und niedliches Mädchen, sehr tröstend und liebevoll dargestellt. Es nimmt den Schrecken und die Angst vor dem großen Unbekannten.

Wie ergänzt du folgenden Satz/folgende Sätze:

  • Eines Tages werde ich sterben … ich hoffe dann sagen zu können, es ist ok, ich bin fertig mit
    Leben.
  • Das Leben ist … einfach wunderschön.
  • Unsterblichkeit wäre … sehr problematisch.

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

„Wirklich trauern zu dürfen, mich auseinanderzusetzen mit diesem Verlust. Leider fast 20 Jahre später erst.“

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?

„Ich habe 2017 den Verein „Wolfsträne e.V.“ gegründet. Ich begleite täglich trauernde Kinder und Jugendliche nach einem schweren Verlust in ihrer Trauer.“

„Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Sterben und Tod auseinandersetzt?

„Weil der Tod das einzige in unserem Leben ist, was uns alle irgendwann zu 100% begegnen wird.
Spätestens dann, wenn wir selbst sterben. Und die meisten Menschen sind in keiner Weise auch nur annähernd darauf vorbereitet, das macht es für viele so unerträglich – es ist die Angst vor dem großen Unbekannten.“

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?

„Meiner Meinung nach sollte schon im Kindergarten und in der Schule das Thema immer wieder aufgegriffen werden. Wir Menschen sollten damit aufwachsen und den Tod als etwas Natürliches begreifen dürfen.“

1. Niemand stirbt, bloß weil über mich geredet wurde. Über Sex quatschen macht ja auch nicht schwanger.

2. Die Besten sterben immer zu früh. Fühlt man sich da nicht vernachlässigt? Ich frag ja nur …

3. Mein Job bringt dich noch ins Grab.

4. Der größte Antrieb im Leben ist und bleibt die Deadline. Gern geschehen.

5. Das Beste kommt zum Schluss. Der Satz kommt nicht von ungefähr

6. Die meisten Menschen wünschen sich, im Schlaf zu sterben und aufzuwachen, wenn sie tot sind.

7. Das Leben ist ein Witz und ich bin die Pointe.

8. Vielleicht wäre das Lebensende erträglicher, wenn wir STERBEN ab jetzt nur noch ALTERNATIVES LEBEN nennen würden.

9. Der Tod ist wie ein guter Wein. Seine Qualität erkennt man erst im Abgang.

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung/dein Lieblings-…

  • Song: ALL IS FULL OF LOVE von Björk (aber eher sehr persönlich)
  • Film: THE STRAIGHT STORY von David Lynch
  • Buch: WIE MAN UNSTERBLICH WIRD Von Sally Nicholls

Wie ergänzt du folgenden Satz/folgende Sätze:

„Eines Tages werde ich sterben … und an allen anderen Tagen nicht. (Zitiert, nicht von mir.)
Das Leben ist … wertvoll und zerbrechlich.
Unsterblichkeit wäre … öde.“

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

„Liebe und eine geklärte Beziehung. Freunde & Familie, Reden, Weinen, Lachen und gemeinsames Essen & Trinken, Bücher und Musik, Reisen zu neuen Orten und Rückkehr zu vertrauten Orten der gemeinsamen Vergangenheit.“

Wie hast du getrauert?

„Es ist noch lange nicht vorbei – und das, obwohl es mir gut geht. Mein Ausgangspunkt war radikale Akzeptanz. Ich habe die Trauerzeremonie gestaltet; unterstützt von Freunden. Ich habe Musik gemacht, allein und mit Freunden. Wir haben gefeiert und uns gegenseitig getröstet und ich habe geahnt, dass mein Leben von nun an ein anderes sein wird: radikaler, kompromissloser, Sinn-voller. Tatsächlich spreche ich heute gelegentlich von Sinnsucht; es ist mir noch nie in meinem Leben so schwer gefallen, Dinge zu tun, deren Sinnhaftigkeit mir nicht einleuchtet (und das ist nicht nur gut). Bis heute lebe ich umgeben von Bildern, Gegenständen, Erinnerungen, die auf unser gemeinsames Leben verweisen. Das ist nicht einen Moment lang ein Altar oder ein Museum gewesen. Ich würde es nicht anders wollen.“

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?

„Eigentlich gar nicht. Allenfalls mit dem Sterben. Eigentlich aber vor allem mit dem Leben, denn das gewinnt unglaublich viel an Qualität und Sinn, wenn man es nicht ohne sein Ende denkt. “

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt?

„Sie existieren. Wenn irgendetwas in unserem Leben sicher ist, dann der Tod. Es hat nicht umsonst jahrtausendelang Regeln und Rituale gegeben, die uns den Weg zu einem aktiven Umgang mit dem Tod weisen sollten. In unserer säkularisierten Gesellschaft haben wir vieles davon verloren; das Risiko, so die nicht nachzuholende, einmalige Chance zu verlieren, Abschied zu nehmen, ist hoch. Ich habe einmal erlebt, was es bedeutet, einen Freund zu verlieren, ohne eine Möglichkeit des Abschieds: Das ist nicht empfehlenswert.
Insofern würde ich sagen: Man muss durchaus nicht besessen sein vom Tod; aber es ist sicher ungesund, ihn zu ignorieren.“

Warum ist es wichtig, den Menschen Tod, Sterben und die eigene Endlichkeit näher zu bringen?

„Ich würde niemandem etwas aufdrängen wollen. Ich stelle aber fest, wie viel Bedarf es gibt, jemanden zu finden, der zuhört, der Trauer versteht und vor allem zulässt. Es hat mich erschüttert, wiederholt zu erleben, wie Menschen, die mich kaum kannten, aufgrund einer offenbar sensiblen Äußerung ihnen gegenüber, mir ihr Herz öffneten und eine nackte, existenzielle Not offenbarten – eine Not, mit der sie nicht umzugehen wussten, weil es offenbar so wenige gab, an die sie sich hätten wenden können.
Es erschüttert mich, mitzubekommen, dass Trauernde erleben, wie sich andere von ihnen abwenden, weil sie nicht wissen, wie sie mit dem Verlust umgehen sollen.
An der Stelle müssen wir besser werden. Es kann doch nicht sein, dass wir ununterbrochen über Solidarität reden, sie aber in so existenzielle Momenten wie akuter Trauer nicht praktizieren.“

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?

„– Wichtig ist, das habe ich lernen müssen, Hilfe anzunehmen und ggf. zu erbitten. Verblüffend und heilsam war für mich die Erfahrung, dass viele Menschen dankbar sind, wenn man ihnen eine Möglichkeit zur Hilfestellung gibt, denn sie wissen sonst oft nicht, was tun.

– Rituale helfen und sollten ernst genommen, aber nicht statisch betrachtet werden. Beispiel: Trauerfeier, ggf. Trauergottesdienst; ein Anlass für einen gemeinschaftlichen Abschied und für Kommunikation und eine perfekte Gelegenheit, aktiv selbst zu gestalten, zu reflektieren, sich auszudrücken – ggf. mit Hilfe Dritter.“

Wie können Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?

„Filme wie SAVING PRIVATE RYAN und THE THIN RED LINE, DAS LEBEN DER ANDEREN, PAN‘S LABYRINTH oder, auf anderen Ebenen, SHAME, GRAVITY und viele andere thematisieren Trauma und Ohnmacht und erlauben durch die fiktionalisierte Emotionalisierung einen gesellschaftlichen Zugang zu tabuisierten Gegenständen. So wurden US-Kriegsveteranen, deutsche Opfer von Überwachung und Unterdrückung, Opfer von Sucht etc. sprechfähig; sie wurden gewissermaßen ermächtigt, über ihr teils unermessliches Leid zu berichten. Die große heilende Kraft von Film, Musik und Literatur liegt in ihrem ungeheuren kathartischen Wirkungspotenzial. Daraus ergibt sich eine außerordentlich hohe Verantwortung für die Künstler:innen.“

„Zu meinem Opa hatte ich eine ganz besondere Beziehung. Ich wuchs ohne Vater auf, wodurch mein Großvater mütterlicherseits in meiner Kindheit die einzige männliche Bezugsperson war. Lange Spaziergänge, Arbeiten auf dem Acker, viel Blödsinn quatschen und lachen. Er brachte mir vieles bei, von Kreuzworträtseln bis zum Binden einer Krawatte. Die gemeinsame, ausschließlich positive Zeit hat mich geprägt und mir sehr bei meiner Entwicklung geholfen. Ohne ihn würde ich wohl mit deutlich weniger Schalk im Nacken durchs Leben gehen, den ich jetzt auch an meine Tochter weitergeben kann.

So schön die Kindheit und Jugend waren, so schwierig wurde es dann, als es meinem Opa gesundheitlich immer schlechter ging. Zu groß wurden seine Schmerzen, zu anstrengend all die Krankheiten, die ihn befielen. Ihn verließ die Lust aufs Leben, er wurde granteliger und unfreundlicher zu allen, entfremdete sich immer mehr von seinen Mitmenschen und seiner Familie. Der Kontakt wurde weniger, man sah sich selten. Und wenn, dann blieb er isoliert in seiner eigenen, entfernten Welt.

Als klar wurde, dass er nicht mehr lange zu leben hat, setzte ich mich natürlich dennoch in den Zug, um ihn noch einmal zu sehen. Ich erwartete nichts, wollte mich lediglich verabschieden von dem Mann, der mir so viel gegeben hatte. Stark geschwächt konnte er nicht mal mehr seinen Kopf heben, aber bemühte sich, meine Hand so kräftig wie möglich zu drücken, als wolle er sie nie wieder loslassen. Er sah mich mit müden, wässrigen Augen an und kämpfte die letzten Worte heraus, die er jemals an mich richten sollte: „Ihr seid alle lieb.“

Vier Worte und ein Händedruck – und Jahre voller Entfremdung waren wie weggewischt. Der letzte Satz meines Opas überlagerte alles Negative und hinterließ nur Liebe. Denke ich an ihn, denke ich nicht an die schwierigen Jahre vor seinem Tod, sondern nur an all die schöne Zeit davor. Und als ich mir für seine Beerdigung die Krawatte band, so wie ich es von ihm gelernt hatte, schwor ich mir, die Bedeutung unserer letzten Begegnung bis ans eigene Lebensende zu befolgen: Geht niemals im Streit auseinander.“

Was ist dein Lieblings-Zitat zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„Erst die Vergänglichkeit verleiht dem Leben so etwas wie Bedeutung, Captain. Frieden, Liebe, Freundschaft, alles dies ist so kostbar, weil wir wissen, dass nichts davon ewig währt.” (Data in Star Trek – Picard: Et in Arcadia Ego)

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung/dein Lieblings-… und warum?

  • Song:
    „Ich habe eine Schwäche für die frühen Opern zwischen Renaissance und Barock. „Lasciatemi morire“ aus Claudio Monteverdis „L’Arianna“ (1608), das auf dem Mythos von Ariadne und Theseus basiert, gefällt mir besonders gut. Außer diesem Lamento, das der Trauer und Verlusterfahrung der Protagonistin Ausdruck verleiht, ist von der Oper leider der größte Teil verschollen. Generell hat diese Zeit einen sehr interessanten Umgang mit dem Tod in Bezug auf Memento Mori, einem Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit, und Vanitas-Motiven, die in einer vielseitigen Darstellung der Vergänglichkeit in Kunst und Musik münden, die sich auch in modernerer Musik finden. Das hier zugrundeliegende Gefühl verkörpern für mich beispielsweise auch „Deine Lakaien“ oder „Nick Cave & the Bad Seeds“ – beides Bands, die mir früher zu schwer, zu abgründig waren, um mir ein ganzes Album anhören zu können. Inzwischen wirkt diese Musik eher betörend, düster, wie eine samtene Decke, die alles andere unter sich begräbt und dennoch Trost spendet.
  • Serie: 
    „Die Marvel-Serie „WandaVision“ hat mich hier in ihrem Umgang mit Trauer und Verlust positiv überrascht. Wanda zieht sich hier in eine medial überlagerte Welt von verschiedenen Sitcoms zurück, um dort ihr kleines Idyll mit Vision zu leben. Doch kein Idyll, kein Arkadien kann existieren ohne den Schrecken, die Bedrohung von außen. Zu viel möchte ich hier nicht verraten, denn allein der Satz „Aber was ist Trauer, wenn nicht Liebe, die überdauert?“ sagt so viel aus.”
  • Graphic Novel:
    „Daytripper von Gabriel Bá und Fabio Moon. Weil die Geschichte etwas über das Leben erzählt und das der beste Moment vielleicht genau jetzt gerade ist.”

Wie ergänzt du folgende Sätze:

  • Eines Tages werde ich sterben … denn ich habe gelebt.
  • Das Leben ist ein endlicher Zustand. Letztlich sind wir alle Sternenstaub.
  • Unsterblichkeit wäre nichts, das mich auf die Dauer reizen würde, denn was wäre die eigene Unendlichkeit in der Endlichkeit der anderen?

Wie hast du getrauert?

„Manche Verlusterfahrung schmerzt mit der Zeit weniger, andere bluten wie niemals vollständig heilende Wunden weiter und werden zu einem Teil des Selbst. Es braucht Zeit, um damit umgehen zu lernen und es zu akzeptieren.”

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt?

„Weil der Tod ein Teil des Lebens ist, über den man offener sprechen sollte. Generell wäre ein offener Umgang mit Trauer, Verlust und Leid notwendig. Man muss trauern, den Verlust zulassen, die Leere spüren dürfen und sollte das nicht nach kurzer Zeit, um innerhalb der Gesellschaft funktionieren zu können, beiseite schieben, als ob nichts gewesen wäre. Und es ist okay, wenn die Schwere der Trauer nach Jahren immer wieder an die Oberfläche treibt. Jeder trauert anders.”

Warum ist es wichtig, den Menschen Tod, Sterben und die eigene Endlichkeit näher zu bringen?

„Um begreifbar zu machen, dass alles irgendwann enden wird und dass das in Ordnung ist. Oder wie Stephen Hawking einst sagte: „Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe es aber auch nicht eilig.“”

Was ist dein Lieblings-Satz zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„Ein Satz, der mich schon seit vielen Jahren begleitet, ist aus einer SMS, die ich von einem guten Bekannten bekommen habe: „Alles wird gut, immer.“ Es gibt noch eine ausführlichere Variante. „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“ Diese Worte geben schon in gewissem Sinn Hoffnung und das Gefühl, dass am Ende nichts Schlimmes wartet.”

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung/dein Lieblings-… und warum?

  • Song
    „Als ich die Frage gelesen habe, dachte ich, mir fiele nie etwas dazu ein. Dabei gibt es den recht aktuellen Song von ZSK „Stuttgart“, der mich kalt erwischt hat, als ich ihn zum ersten Mal hörte. Plötzlich liefen die Tränen. Und es gibt scheinbar doch viel mehr, als man im ersten Moment glaubt. „Hey Thomas“ und „Wenn ich mal sterb’“ – beide von WIZO – beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Tod und Sterben. Letzteres wirkt anfangs gar nicht so ernst, aber es setzt bei mir an einer Stelle an, die mich doch irgendwie packt. Am Ende geht es um ein ganz wichtiges Thema „Loslassen“. Das ist wohl mit die schwerste Aufgabe.”
  • Film/Serie
    „Hierzu fällt mir aktuell nur „Hin und weg“ mit Florian David Fitz ein, der sich mit dem Thema „Tod“ und „Sterbehilfe“ beschäftigt. Ein an ALS erkrankter Mann geht mit seinen Freunden auf eine Radtour. Ziel der Reise ist Belgien, wo er sein Leben am Ende selbstbestimmt beenden möchte. Man hätte zwar noch mehr aus dem Film herausholen können – aber grundsätzlich ist es schon einmal super, so etwas in einem Mainstream-Film umzusetzen.”

Wie ergänzt du folgenden Satz:

„Eines Tages werde ich sterben und das macht mir mit den Jahren immer weniger Angst. Ich hoffe aber, dass mir noch viel Zeit bleibt, um das Leben gesund und bewusst genießen zu können.”

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

„Der letzte Todesfall in der Familie liegt fast zwölf Jahre zurück. Damals haben wir meinen Schwiegervater beim Sterben begleiten können und waren als Familie für ihn und füreinander da. Zu sehen, wie seine Krankheit immer weiter fortschreitet, war so schlimm, dass wir am Ende eine Erlösung in seinem Tod sehen konnten. Was uns in dieser Zeit ebenfalls sehr geholfen hat, waren Freunde, die nachgefragt haben und für uns da waren. Es ist noch immer so, dass viele Menschen überfordert sind und nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Statt zu fragen und zuzuhören, verstummen sie. Manche reduzieren sogar den Kontakt, weil sie in dem Moment nicht damit klarkommen.”

Wie hast du getrauert?

„Die Frage ist für mich schwer zu beantworten, da sich das sehr unbewusst abspielt und ich das noch nie wirklich reflektiert habe. Ich denke, dass es immer eine Rolle spielt, wie nah die Person (oder auch ein Tier) mir war. Dazu kommt auch die Frage, ob es ein plötzlicher Tod war, der einen in einen Schockzustand versetzt, oder ob man über längere Zeit auf den Tag vorbereitet wurde. Der Schmerz ist auch dann sehr groß. Aber die körperliche Reaktion nehme ich anders wahr. Ich wurde nach dem Tod meines Katers von Heulkrämpfen geschüttelt, während ich Menschen ohne eine Träne betrauert habe. Das bedeutet nicht, dass mir der Mensch in dem Moment nicht wichtig war. Es gibt da so viele verschiedene Ebenen, auf denen sich das abspielt. Trauert man in der Öffentlichkeit oder allein? War der Tod eine Erlösung und spendet damit sogar Trost? Ist man in dem Moment für andere da und möchte stark sein?
Es gibt aber eine Sache, die bei mir immer gleich ist – es fühlt sich immer unwirklich an. Man will es nicht glauben. Die Vorstellung, dass jemand nicht mehr da ist, übersteigt für eine gewisse Zeit die Vorstellungskraft.”

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?

„Ich beschäftige mich nicht aktiv damit. Und während ich mich mit den Fragen auseinandersetze, merke ich, dass ich das Thema doch öfter verdränge, als ich gedacht hätte. Mir begegnet der Tod oft in Form von Trauerfeiern. Und das ist teilweise sehr bewegend. Da meint man, Menschen schon etliche Jahre zu kennen und merkt dann, dass man eigentlich fast nichts von deren Leben mitbekommen hat. 
Es gab leider auch Momente, in denen der Tod deutlich präsenter war. Als ein Mitarbeiter von uns in der Firma verstorben ist, war das einfach nur schrecklich. Während versucht wurde, ihn wiederzubeleben, wartete die Familie, dass er nach Hause kommt. Das Bild hat sich bei mir eingebrannt.”

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt?

„Ich finde es absolut wünschenswert. Notwendig ist für mich das falsche Wort. Es kommt ja auf das Individuum an. Manche Leute kommen vielleicht gut klar, unbeschwert durchs Leben zu gehen und sich nicht mit diesen Themen zu beschäftigen. Vielleicht sind sie auch so resilient, dass sie sogar den Tod einer engen Bezugsperson gut verarbeiten können. 
Es gibt aber auch Menschen, die eine große Angst vor dem Tod haben und bei allen Anstrengungen, dieser zu entgehen, vollkommen vergessen, ihr Leben zu leben. Und dazwischen ist natürlich die ganze Bandbreite. Es würde in jedem Fall helfen, den Tod und das Sterben zu enttabuisieren. Wenn man den Tod ins Leben integriert und als natürlichen Bestandteil und gleichzeitig als dessen Ende akzeptieren kann, gäbe es meiner Meinung nach viel weniger Ängste. Ich behaupte nicht, dass ich das schon umgesetzt habe … Die Vorstellung vom Tod nahestehender Personen macht auch mir große Angst. Aber wann redet man schon einmal darüber, um dieses Gefühl teilen zu können? Oft wird davon abgelenkt und „über etwas Schöneres“ gesprochen. Es gibt Bücher, deren Titel dafür werben, dass man dem Sterben entgehen kann. Das sagt doch schon viel über unsere Gesellschaft aus. Ich bin gespannt, wie der Verlag damit umgeht, wenn der Autor von „How not to die“ eben doch eines Tages verstirbt … 😉 Nein, Spaß beiseite. Die Gesellschaft und die Wirtschaft möchte uns jeden Tag weismachen, dass wir unser Leben um einige Jahre verlängern können und dies auch unbedingt erstrebenswert ist. Damit wird viel Geld verdient und wahrscheinlich auch auf vieles verzichtet, was vielleicht einfach Spaß gemacht hätte. Das kam mir gerade so spontan in den Sinn. Bin ich noch beim richtigen Thema?”

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?

„Ich habe keine Empfehlung, sondern freue mich einfach sehr, dass ihr genau das tut, was ihr tut. Deshalb lieben wir auch schon euer erstes Buch so sehr. 
Solche Themen aus der dunklen Ecke zu holen und darüber zu kommunizieren, ist der beste Weg, das Leben in manchen Bereichen leichter werden zu lassen.” 

Wie können Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?

„Ich kenne mich zu wenig aus, um mir ein Bild davon zu machen, ob es auf kultureller Ebene zu viele Schranken in den Köpfen gibt. Es gibt auf manchen TV-Sendern Themenabende oder -wochen. Vielleicht wäre da noch mehr Platz auf den vorderen Sendeplätzen. Im Bereich Bildung wäre sicher noch jede Menge Luft nach oben, um Alltägliches (und dazu gehört Sterben und Tod ja nun einmal) sanft im Lehrplan zu integrieren.”

Was ist dein Lieblings-Satz zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„„Die Welt ist es wirklich wert.”
Das hat mir mein Ziehvater, der sich später das Leben genommen hat, mal auf einer Postkarte aus Paris geschrieben.”

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung und warum?

„„In einem Land vor unserer Zeit, also Littlefood” – den Film hab ich als Kind tausend Mal gesehen. Heute kann ich ihn keine Minute schauen, ohne dass mir sofort die Tränen kommen. Das war vielleicht meine erste Auseinandersetzung mit Tod und Trauer. Auch ein ganz wichtiges Thema finde ich, wie man Tod und Sterben mit Kindern bespricht. Dazu hab ich im Rahmen meines Studiums ein sehr gutes Seminar besucht, es gibt inzwischen richtig gute Kinderbücher dazu.
Man sollte auf jeden Fall NIEMALS sagen, dass jemand eingeschlafen ist 😉”

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

„Ich habe viel Musik gehört und mich sehr doll zurückgezogen. Nachdem die akute Trauerphase vorbei war, habe ich mir selbst eine Art Erinnerungskultur geschaffen. Also ein sicheres Setting und einen begrenzten Zeitraum, in dem ich mich total in meine Trauerwelt hineinbegeben kann. Zu meiner Trauer-Routine gehört zum Beispiel, Fotos anzusehen, Musik zu hören und alte Briefe zu lesen. Außerdem hab ich ein Trauertagebuch, das ich in solchen Phasen beschreiben kann.”

Wie hast du getrauert?

„Da es sich um einen Suizid gehandelt hat, ziemlich alleine, leider. Es gab eine Person, mit der ich die Trauer ein bisschen teilen konnte. Ich hab es irgendwann einfach zugelassen, dass es so doll weh tut und dass es auch niemals nicht mehr weh tun wird. Inzwischen kann ich aber auch mal eine ganze Weile nicht traurig sein bzw. nicht daran denken.”

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?

„Leider meistens sehr ängstlich. Aber ich versuche, nicht vor diesem Thema wegzurennen, ihm manchmal Raum in meinen Gedanken zu geben und z. B. meiner Oma zuzuhören, wenn sie über ihren Tod sprechen will.”

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt?

„Zum einen, weil wir alle sterben und ich merke, wie alleine z. B. alte Menschen mit dem Thema dastehen, mit all ihren Ängsten und Sorgen und Gefühlen und vielleicht auch dem Wunsch zu sterben. Außerdem ist es auch für alle Hinterbliebenen total anstrengend, dass die eigene Trauer und alle möglichen damit verbundenen Gefühle so tabuisiert werden.”

Warum ist es wichtig, den Menschen Tod, Sterben und die eigene Endlichkeit näher zu bringen?

„Hmmm, naja zum einen finde ich, da wo Dinge nicht besprochen werden, macht sich die Angst viel doller breit. Und außerdem ist es nun mal so, dass Sterben zum Leben gehört, und ich glaube, dass zum Beispiel der gesellschaftliche Ausschluss von alten Menschen auch daran liegt, dass sie einen unangenehm an die eigene Endlichkeit erinnern und weil wir eben so viel Angst davor haben, wollen wir das lieber gar nicht mitbekommen und grenzen aus.”

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?

„Ich denke, bewusst Raum schaffen für solche Themen. Ins Gespräch gehen, wenn jemand reden will.

Kunst, Literatur, Musik zum Thema.
Also für mich hat sich ein kreativer Umgang zum Thema Sterben sehr gut angefühlt und ich hab mich sehr darauf beziehen können in meiner Trauerphase.”

Was ist dein Lieblings-Zitat zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„Unsere wahre Aufgabe ist es, glücklich zu sein.” – Dalai Lama

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – Lieblings-…

  • Song: Requiems, wie z. B. Mozarts Requiem oder auch das Intro das Haydn Requiems
  • Film/Serie: „Meet Joe Black” / „Rendezvous mit Joe Black”
  • Malerei: Guernica – Picasso

Wie ergänzt du folgende Sätze:

  • Eines Tages werde ich sterben … bis dahin werde ich lange glücklich leben.
  • Das Leben ist … schön.
  • Unsterblichkeit wäre … zu Tode langweilig.

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

„Das Schicksal hat mir nie erlaubt, ohne das Bewusstsein der Endlichkeit unseres Lebens davon zu kommen. Mit 1 1/2 Jahren wurde ich selbst durch einen Luftröhrenschnitt in letzter Sekunde gerettet. Ich bin in einer Bergbaustadt mit einem ziemlich gefährlichen Kohleförderschacht aufgewachsen. Immer wieder gab es tödliche Unglücke. Manchmal hat es auch Väter meiner Freunde getroffen. Auch war es für uns Kinder und Jugendliche nicht ungefährlich. Heute würde man das „sozialer Brennpunkt“ nennen. Mein Klassenkamerad wurde vor meinem Fenster erstochen. Ich habs nicht gesehen, aber die Schreie gehört. Ich war in meiner Jugend davon überzeugt, dass ich nicht lange leben würde.

Meine Eltern und Großeltern sind auch längst verstorben, was wohl auch an meinem Alter liegt 😉 Und in den letzten Jahren musste ich den Verlust mehrerer befreundeter Musiker erleben. Von einigen konnte ich mich verabschieden. All die Fähigkeiten, die sie hatten … für immer verloren, nur ein paar Aufnahmen bleiben.

Selbst wenn ich es nicht wollte, ist der Gedanke und die Beschäftigung mit dem Tod ein Teil meines Lebens.”

Wie hast du getrauert?

„In meiner Familie gibt es die Tradition, gemeinsam den verstorbenen Menschen zu feiern und sich dabei auch lustige Anekdoten über sie/ihn zu erzählen. Es wird zusammen gegessen und getrunken, sogar gelacht und – wie gesagt – der Mensch und das Leben gefeiert. Das hat mir in der Trauer immer geholfen.”

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?

„Mich nicht so wichtig nehmen.”

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt?

„Mir fällt es schwer, solche fast pädagogischen Aussagen zu treffen. Ist es wirklich notwendig? Wollen wir eine Gesellschaft, in der das mit erhobenem Zeigefinder von jedem verlangt wird? Man stirbt irgendwann, ob man sich damit auseinandersetzt oder nicht. Notwendig ist, dass man sich mit dem Glücklich-Sein auseinandersetzt.”

Warum ist es wichtig, den Menschen Tod, Sterben und die eigene Endlichkeit näher zu bringen?

„Ist das wirklich wichtig? Ich finde es wichtiger, den Menschen zu vermitteln, glücklich zu leben. Klar, natürlich kann das Bewusstsein, dass das Leben irgendwann vorbei ist, zum Streben nach einem glücklichen Leben „im Jetzt“ führen. Viele Menschen leben in der Vergangenheit und/oder verheizen sich für die vermeintliche Verbesserung ihrer Zukunft. Da hilft vielleicht der „Gedanke an die Endlichkeit“.”

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?

„Gut sind freundliche, wohlwollende Menschen im nahen Umfeld, mit denen man gemeinsam seine Gefühle austauschen kann. Das müssen keine geschliffenen Dialoge sein. Es tut auch gut, z. B. in Meditationen zu sich selbst zu finden und zum tiefen Glück des eigenen Lebens, der eigenen Existenz.”

Wie können Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?

Kultur und Bildung sind zutiefst menschliche Eigenschaften.

„Eigentlich kann ich hier nur über Musik reden: Gute Musik bietet uns die Möglichkeit, in unsere Emotionen einzutauchen. Das kann Trauer und Freude oder tiefes stilles Empfinden und wilder ekstatischer Tanz sein. Musik ist die Kunstform, die, sogar neurologisch erwiesen, am nächsten an unsere Emotionen herankommt.

Meiner Meinung nach sollte sie diese Chance nutzen. Ich habe jedenfalls immer versucht, solche Musik zu machen.”

Bei „Tod, Verlust und Trauer“ geht es insbesondere um das Leben und die Lebenden. Wie gehören für dich Tod und Leben zusammen?

„Diese Frage überrascht mich. Für jedes Lebewesen gilt, dass auf das Leben unweigerlich der Tod folgt. Wer lebt, der stirbt.”

Beschäftigst du dich selbst mit dem Tod? Und wenn ja, wie und in welcher Art, auf welche Weise?

„Da ich u. a. mit schweren Depressionen diagnostiziert bin, bleibt dies nicht aus. Mit zwölf hatte ich meinen ersten Suizidversuch, es war nicht der letzte. Bis heute habe ich Phasen, in denen ich suizidale Gedanken habe, allerdings habe ich durch Therapien gelernt, mit ihnen umzugehen. Ansonsten beschäftige ich mich nicht direkt mit dem Tod, er gehört eben zum Leben dazu.”

Hast du bereits einen oder mehrere schwere Verluste erlitten, die dein Leben und Empfinden tief geprägt haben? Wie bist du damit umgegangen? Was hat dir geholfen, um es zu ertragen und zu überstehen?

„Ich wurde leider schon im Kindesalter mit dem Tod konfrontiert, als meine Großtante starb, die mit uns im Haus wohnte und die ich sehr lieb hatte. Damals war ich total sauer auf den Tod.
Mit 14 habe ich mit ansehen müssen, wie eine Person von einem Taxi überfahren wurde, welches viel zu schnell fuhr. Die Bilder und Geräusche werde ich nie vergessen.
Als ich 16 war, wurde meine beste Freundin ermordet. Ich konnte leider nicht darüber reden, da diese Freundin ‚kein guter Umgang‘ war, wie man sagt. Ich war völlig fertig und komplett neben der Spur, habe aber, um mir nichts anmerken zu lassen, das Geschehene komplett verdrängt. Innerlich bin ich zerbrochen, äußerlich hat man mir nichts angesehen.
Als ich 20 war, ist meine Oma gestorben. Das war auch ganz schlimm für mich, so habe ich als Kind mitunter mehr Zeit bei meinen Großeltern als bei meinen Eltern verbracht.
Ein ehemaliger Schulfreund kam beim Absturz der Germanwings Maschine ums Leben.
Eine Freundin ist vor drei Jahren mit gerade mal Mitte 30 plötzlich und völlig unerwartet gestorben.
Ich könnte noch weitere Verluste aufzählen, beende dies aber an dieser Stelle.
Was mir immer geholfen hat und noch hilft ist: darüber reden. Und es würde bestimmt helfen, wenn ich meine Emotionen rauslassen könnte, aber mir fällt es schwer, überhaupt erst welche zu empfinden. Dadurch, dass ich das alles damals beim Tod meiner besten Freundin nicht zulassen konnte, hat sich das so manifestiert, dass ich damit arge Probleme habe.”

Was ist und bedeutet Trauer für dich?

„Trauer bedeutet für mich die Empfindung, die eintritt, wenn ein Mensch oder Tier gestorben ist, dem ich mich sehr verbunden fühlte und den- oder diejenige zukünftig vermissen werde.”

Wie hat sich Trauer für dich nach einem schweren Verlust angefühlt?
Was hast du empfunden? Wie hast du getrauert?

„Zuerst tritt bei mir ein Schock auf und völliger Unglaube. Alles um mich herum wird schlagartig surreal und ich nehme meine Umgebung wie durch Nebel wahr. Ich fühle mich taub. Ansonsten habe ich alles dazu im vorherigen Punkt gesagt, denke ich.”

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass wir uns selbst und in unserer Gesellschaft stärker mit dem Thema „Tod, Verlust und Trauer“ beschäftigen, es stärker in die Öffentlichkeit rücken und enttabuisieren?

„1.Weil jede*r von uns früher oder später mit dem Thema konfrontiert wird. Was ist das für ein Quatsch, ein Thema zu tabuisieren, welches jeden Menschen auf diesem Planeten betrifft?

  1. Es muss aufhören, dass gesellschaftliche Normen gelten, wie man sich im Fall eines Verlustes zu verhalten hat. Traurig sein ist ok, aber bitte nicht zu sehr und vor allem nicht zu lange. Lachen auf einer Beerdigung? Bloß nicht.
    Das finde ich furchtbar. Ich möchte eine Gesellschaft, in der jeder Mensch auf seine eigene Art trauern kann und das, solange er es möchte bzw. braucht.”

Wie können dabei Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?

„Ganz einfach: Es mehr thematisieren. Und vor allem auch von anderen Seiten beleuchten, denn Trauer kann auch bedeuten, dass man gemeinsam lacht oder sich lustige Anekdoten erzählt.”

Was ist dein Lieblings-Satz/Zitat zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„Dass Atmen sich wohl trotzdem lohnt, das Schicksal niemals wen verschont,
die Straße ist nicht immer eben und grad‘ deswegen: Auf das Leben!” (Jupiter Jones „Auf das Leben”)

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung/dein Lieblings-… und warum?

  • Song: Jupiter Jones „Auf das Leben” – Weil dieses Lied perfekt auf den Punkt bringt, dass das Leben mitunter anstrengend und doof, aber dennoch lebenswert ist.
  • Film/Serie: „Hinter dem Horizont”/„13 Reasons why” (deutsch: „Tote Mädchen lügen nicht“) – Zweitere, weil sie sich sehr realitätsnah mit dem Thema Jugendliche, Pubertät und Suizid beschäftigt.
  • Buch: „Die Brüder Löwenherz” (Astrid Lindgren) und „Ich bin dann mal eben wieder tot” (Nicholas Müller) – Ersteres, weil ich finde, dass das Thema auch mit Kindern besprochen werden sollte und es von der Autorin sehr gut kindgerecht erzählt wird. Zweiteres, weil ich mich in so Vielem wiederfinde und Nicholas es total versteht, die richtigen Worte zu finden.

Wie ergänzt du folgenden Satz/folgende Sätze:

  • Eines Tages werde ich sterben … Stimmt!
  • Das Leben ist … eine echt komplizierte, verrückte, interessante, schöne, manchmal anstrengende Angelegenheit.
  • Unsterblichkeit wäre … nix für mich. Den Gedanken, wie Miss Sophie all meine Liebsten zu überleben, finde ich furchtbar. Nein Danke!

Was ist dein Lieblings-Zitat zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„You’re a ghost driving a meat-coated skeleton made from stardust, riding a rock, hurtling through space. Fear nothing.
Du bist ein Geist, der ein mit Fleisch überzogenes Skelett aus Sternenstaub fährt, auf einem Felsen reitet und durchs Weltall rast. Fürchte dich vor nichts.”
Das hatte ich mir schon immer gedacht, aber es nie so konkret formulieren können. Irgendwann hab ich das Zitat gesehen, leider habe ich keine Quelle dazu, aber das ist es. Das ist mein Zitat zum Leben, zum Sterben und überhaupt.

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung/dein Lieblings-… und warum?

  • Song: Wagner „Siegfrieds Tod”, Arvo Pärt „Spiegel im Spiegel”, Gustav Mahler „Sinfonie Nr. 5, Adagietto”, Grateful Dead „Death Don’t Have No Merci”
  • Film: „Leipzig von oben – Vom Leben und Sterben” von Schwarwel
  • Buch: Roland Schulz „So sterben wir”

Wie ergänzt du folgende Sätze:

  • Eines Tages werde ich sterben … wie alle anderen vor mir auch. Kann gar nicht schiefgehen.
  • Das Leben ist … bis jetzt sehr gut zu mir.
  • Unsterblichkeit wäre … für mich bis jetzt nicht vorstellbar.

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

„Die üblichen Strategien, mit denen ich versuche, mit Krisen klarzukommen. Den Schmerz zulassen, die Beziehung zur/zum Verstorbenen reflektieren, erinnern und mich auf mich selbst und die Trauer konzentrieren und hoffen und darauf vertrauen, dass ich in der Lage bin, es zu verarbeiten.”

Wie hast du getrauert?

„Nichts Besonderes, trauern eben. Sich erinnern. Zumindest in Deutschland ist organisatorisch einiges zu erledigen, das hat mir geholfen, mich abzulenken. Einige Zeit später kommt manchmal ein Gefühl auf, als ob der/die Verstorbene fast physisch anwesend ist, das erzeugt eine überschwängliche Freude, die ich dann auch genieße.”

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?

„Eigentlich gar nicht weiter, ich versuche einfach, so zu leben, dass, wenn ich gleich sterben sollte, ich möglichst wenig Schaden angerichtet und möglichst das getan habe, was ich wollte.”

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt?

„Naja, jede*r, der/die geboren wurde, stirbt früher oder später, also kann man da schon mal drüber nachdenken.” 

Warum ist es wichtig, den Menschen Tod, Sterben und die eigene Endlichkeit näher zu bringen?

„Ist es das?”

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?

„Roland Schulz „So sterben wir”. Und ansonsten scheint mir das alles doch eher eine sehr individuelle Angelegenheit zu sein, deshalb bin ich nicht geeignet, dazu Tipps zu geben, glaube ich.”

Wie können Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?

„Ehrlich? Keine Ahnung. Aber bitte auf keinen Fall belehrend oder besserwisserisch oder kryptisch, das führt viel zu leicht zu Missverständnissen.”

Was ist dein Lieblings-Satz/Zitat zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„Der Schriftsteller Terry Pratchett hat geschrieben: „It is said that your life flashes before your eyes just before you die. That is true, it’s called Life.“

(Also in etwa: Es wird oft gesagt, dass, bevor du stirbst, dein Leben vor deinen Augen vorbei zieht. Das stimmt: Man nennt es Leben.)”

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – dein Lieblings-Song und warum?

„Ein Lied, das mich immer wieder zum Weinen bringt, aber auf eine gute Art, und für mich wie kein anderes die Süße und die Schwere des Lebens zusammenbringt, ist „Both Sides Now” von Joni Mitchell.

Ein Buch, das bei mir geblieben ist, ist „Grief is the Thing with Feathers“ von Max Porter, das herzzerreißend, magisch und auf eine dunkle Art komisch ist. Die Geschichte handelt von zwei Jungs und ihrem Vater und davon, wie sie mit der unerträglichen Leere nach dem Tod deren Mutter zu leben lernen. (Der Titel ist im Übrigen ein Hinweis auf das Gedicht „Hope is the thing with feathers” von Emily Dickinson …).”

Wie ergänzt du folgenden Satz:

Eines Tages werde ich sterben … und das ist gut so. Denn ohne den Tod gäbe es keine Dringlichkeit im Leben. Ohne den Tod wäre nichts wirklich interessant. Dann würde man alles auf den nächsten Tag verschieben. Und wie langweilig wäre dann das Leben?

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

„Der Alltag! Der wird unterschätzt, finde ich. Das Leben mit Kindern. Die Natur. Der Hund. Das Schreiben.”

Wie hast du getrauert?

„Anfangs habe ich die Trauer ignoriert oder verdrängt. Ich habe funktioniert, habe aber unterschätzt, was die Trauer mit mir macht. Dass sie Zeit und Raum braucht. Jetzt lasse ich sie eher zu, auch wenn es mir noch schwer fällt. Wenn ich mit dem Hund im Wald bin oder alleine am Schreibtisch sitze, dann nehme ich mir bewusst die Zeit dafür.”

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?

„In meiner Arbeit als Trauerrednerin … Und privat wende ich mich seit den eigenen Verlusten vermehrt dem Thema zu, lese Sachbücher und Gedichte, schaue Serien. Früher bin ich dem Thema Tod und Sterben eher aus dem Weg gegangen.”

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt?

„Jeder muss es, glaube ich, selbst wissen, inwieweit er sich damit beschäftigt. Für mich aber wurde der Tod weniger groß und erschreckend, als ich begann, mich mehr mit ihm auseinanderzusetzen.”

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?

„Indem man selbst offener über das Thema spricht. In dem man ehrlicher ist, auch sich selbst gegenüber, was etwa die eigenen Ängste vor dem Tod oder die Belastungen durch die Trauer angehen.”

Wie können Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?

„Wenn wir in der Gesellschaft zu wenig darüber reden, wie wir mit Verlust und Trauer leben können, dann können uns Bilder, Filme oder Bücher davon erzählen, wie das gehen kann.”

Wie ergänzt du folgende Sätze?

„Eines Tages werde ich sterben. Punkt.
Das Leben ist das Leben.
Unsterblichkeit wäre noch schwieriger.“

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

„Mein Kopf hat irgendwann begonnen, nur noch die Fragen zu stellen – ohne Antworten zu erwarten.“

Wie hast du getrauert?

„Mit dem Herzen.“

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?

„Oft und einfach so, nebenbei, meist in Gedanken.“

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt?

„Weil das Leben mit dem Sterben endet.“

Warum ist es wichtig, den Menschen Tod, Sterben und die eigene Endlichkeit näher zu bringen?

„Die Themen sind immer da. Wenn ich sie verdränge, verselbstständigen sie sich.“

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?

„Nein, ich sehe da keine Blaupause. Aufmerksamkeit ist aber oft hilfreich.“

Wie können Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?

„Indem sie das Sterben nicht ausklammern.“

Was ist dein Lieblings-Satz zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„Geburt und Tod sind die einzigen Fixpunkte in unserem Leben und dem unseres Umfelds. Eine gute Geburt ist dabei genauso wichtig wie ein gutes Sterben. Ein gutes Sterben zu ermöglichen, ist eine universelle ethische Verpflichtung. Eine belastende Geburt und ein leidvolles Sterben traumatisiert auch unser Umfeld für Monate, Jahre und Jahrzehnte.
Außerdem rückt der Tod nicht näher, wenn man sich mit ihm beschäftigt – die Unsicherheit entsteht daraus, sich nicht mit ihm zu beschäftigen.”

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung?

„Schwarzer Humor in Text, Film und Bild – weil er nötig ist, um dem Tod die Einseitigkeit zu nehmen. Wir tendieren zu oft dazu, das Sterben nur als eine Zeit des Abschiednehmens und medizinisch-pflegerischer Behandlungen zur Bekämpfung von Leid zu sehen.
Das Sterben ist aber genauso eine Zeit der Freude über das eigene Leben, am ehesten also eine Art Tragikomödie.“

Wie ergänzt du folgende Sätze:

  • Eines Tages werde ich sterben … und mit meiner Familie lachen und weinen können.
  • Unsterblichkeit wäre … durch Worte und Taten Menschen etwas Gutes getan und womöglich sogar Dinge bewegt zu haben, die mir wichtig waren.

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

„Beruflich ist das Wichtigste, im Kontakt empathisch und wahrhaftig, aber nicht altruistisch zu handeln. Die Versorgung und Begleitung der Sterbenden und ihres Umfelds vom eigenen Leben, im Positiven, trennen zu können, ist die einzige Burnout-Prophylaxe. Diesen professionellen Umgang kann man erlernen, wenn man die Ressourcen dafür mitbringt.
Manchmal „verirrt“ sich der ein oder andere Fall auch ins Privatleben, gerade wenn er von der fachlich-professionellen Ebene schwierig oder anderweitig herausragend ist.
Und natürlich fordert das Sterben anderer immer wieder zum Nachdenken über das Sterben im eigenen Umfeld heraus. Dann sind selbst wir Profis „ganz normale Menschen“.”

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?

„Es ist meine tägliche Arbeit auf verschiedenen Ebenen. Als Krankenpfleger in der Arbeit mit Sterbenden in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV). Als Praxisanleiter in der Ausbildung von Pflegefachleuten, die hier oft ihren ersten vertieften Kontakt zur Sterbebegleitung und Symptomlinderung haben. Als Dozent in Seminaren, Kliniken, Pflegeheimen und -diensten, Hospizen und bei anderen Einrichtungen, die eine bessere Versorgung von Sterbenden in ihren Einrichtungen erreichen möchten. Als Autor, um palliative Behandlungsstrategien in der Versorgung am Lebensende aufzuzeigen und zu erklären.“

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt? Warum ist es wichtig, den Menschen Tod, Sterben und die eigene Endlichkeit näher zu bringen?

„Wir sollten uns immer wieder unsere Lebensziele vor Augen halten. In den Tag hineinzuleben, kann genauso ein Ziel sein, wie sich mit Arbeit einzudecken. Das Einzige was zählt, ist die ganz subjektive Zufriedenheit mit der Lebensführung. Eine Mischung aus Dingen, die ich für andere mache und dem, was nur für mich ganz allein zählt.
Kein tägliches Resümee, kein wehmütiger Blick zurück. Nur das bewusste Leben.“

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?

„Es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten, den Umgang mit dem Lebensende als etwas Positives zu erfahren. Unter positiv verstehe ich damit nicht das „Beenden von Leiden“. Die Behandlungsmöglichkeiten, die uns palliativ zur Verfügung stehen, sind umfangreicher als vielen bekannt ist. Sich über die Versorgung am Lebensende zu informieren, sollte für jeden Normalität sein.
Wir können oftmals den Frieden wiederherstellen, den viele nur noch aus den Erzählungen ihrer Großeltern kennen. Jeder kann dazu sein Scherflein beitragen, indem er ein gutes Sterben zulässt. Dazu bedarf es eben der Gewissheit um die Versorgungsmöglichkeiten. Nur so schaffen wir für alle ein gutes Klima mit weniger Angst.“

Wie können Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?

„Viele Künstler thematisieren schon immer den Tod und das Sterben. Durch unterschiedliche Mittel erreicht man unterschiedliche Gruppen von Menschen. Wichtig ist es aber, den Umgang mit dem Tod gerade in Kindertagesstätten und Schulen voranzubringen. Dort ist die Hemmschwelle weiterhin oft sehr groß.“

Was ist dein Lieblings-Zitat zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

Was lebt, das stirbt – eigentlich die normalste Sache der Welt.
Wer früher stirbt, ist länger tot.

Was ist dein Lieblings-… und warum?

  • Film/Serie: Das brandneue Testament (… ist meine Art von Humor)
  • Buch: Knietzsche und der Tod; Das Feld (zeigt uns, dass unsere Lebensgeschichten miteinander verwoben sind); Brief an D. (Geschichte einer Liebe); Ein Tag mit Herrn Jules (realitätsnaher Abschied)
  • Comic/Graphic Novel/Manga: Knietzsche und der Tod

Wie ergänzt du folgende Sätze:

  • Eines Tages werde ich sterben … aber an allen anderen lebe ich. (Snoopy)
  • Das Leben ist … zum Sterben schön. (Fastnachtsschlachtruf der Deutschen PalliativStiftung)
  • Unsterblichkeit wäre … ganz schön langweilig.

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

Offen darüber reden; viel weinen und es zulassen.

Wie hast du getrauert?

Trauermutig in die Trauer fallen lassen.

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?

Der Tod ist meine Arbeitskollegin.

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt?

Weil dadurch unsere Urängste viel kleiner werden und ein enormes Energiepotenzial frei werden kann. Stichwort „Letztverlässlichkeit“

Warum ist es wichtig, den Menschen Tod, Sterben und die eigene Endlichkeit näher zu bringen?

Weil wir nur dann erkennen können, wer wir wirklich sind und siehe oben.

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?

Indem wir aufklären und diese Themen enttabuisieren; das macht #sds ja schon wunderbar. Es braucht niedrigschwellige Angebote, die es den Menschen leichter machen, sich auf diese Themen einzulassen. Die DPS hat z. B. ein neues Beratungskonzept zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, das es den Ratsuchenden leicht macht, sich diesen Themen anzunähern: https://www.palliativstiftung.de/…/erfahrung…

Wie können Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?

… sich einfach mal an die Themen rantrauen 😉 Die DPS hat ein Unterrichtsmaterial für die Oberstufe konzipiert, da es keinerlei Handreichungen für Lehrende zu diesem Thema gab: https://www.palliativstiftung.de/…/unterrichtsmaterial… Das Material kann kostenfrei runtergeladen werden und wird auch gerne in der Pflegeausbildung benutzt. Mit unserem Palliativkalender und dem dazu gehörenden Fotowettbewerb und der Ausstellung möchten wir die Menschen dazu ermutigen, auch im Alltag die Themen Sterben, Tod & Trauer zu sehen und einzufangen.

Was ist dein Lieblings-Satz/Zitat zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer? 

„Es gibt einen Spruch von meinem Opa: „Es gibt nix umsonst, selbst der Tod kostet das Leben.“ Der begleitet mich schon so lange und fällt mir in dem Zusammenhang als Erstes ein.”

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung/dein Lieblings-… und warum?

  • Song
    „Es gibt einen Song, der mich so sehr berührt und der auch immer Tränen auslöst: „In diesem Moment“ von Roger Cicero hat seit dem Tod meines Vaters eine sehr große Bedeutung für mich. Nachdem Tränen manchmal auch reinigend sein können, kann ich damit umgehen, dass mich dieses Lied immer triggert.”
  • Film/Serie
    „Der Film „Hin und weg“ ist eine sehr schonungslose Darstellung, wie Freunde reagieren, wenn sie erfahren, dass ein Mitglied der Clique seinem Leben selbst ein Ende setzen wird, da er an ALS erkrankt ist.
    „Das Beste kommt zum Schluss“ ist ein Film, der das Thema Sterben so darstellt, dass sich auch Menschen damit beschäftigen, die vermeintlich noch weit von dieser Thematik entfernt sind. Das ist meiner Meinung nach ein guter Ansatz, dieses wichtige Thema etwas mehr in den Fokus zu rücken.”

Wie ergänzt du folgenden Satz/folgende Sätze:

  • Eines Tages werde ich sterben … und das ist gut so, da es zum Lauf des Lebens dazugehört. Ich hoffe natürlich schon, dass dieser Tag noch in ferner Zukunft liegt.
  • Das Leben ist … nicht planbar, voller Überraschungen und mit Freunden an der Seite überwiegend wundervoll.
  • Unsterblichkeit wäre … äußerst unnatürlich und meiner Meinung nach nicht wünschenswert.”

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen?

„Die immer offenen Arme meines Mannes und seine bedingungslose Unterstützung zu jeder Zeit. Es war auch sehr wichtig und hilfreich, über die Zeit, in der es klar war, dass mein Vater nicht mehr lange leben wird, mit Freunden reden zu können. 
Nachdem diese Zeit äußerst qualvoll war, empfand ich den Tod dann als absolute Erlösung und das war sehr tröstlich.
Es gab noch eine weitere Begebenheit, die mich relativ früh in meinem Leben mit dem Tod konfrontiert hat. Meine Oma lag mit Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus und ich fand es schrecklich mitanzusehen, wie sie von Tag zu Tag mehr abbaut. An dem Tag, als ich mir vorgenommen habe, sie noch ein letztes Mal im Krankenhaus zu besuchen und dann erst wieder, wenn sie wieder daheim ist, ist sie in meinem Beisein gestorben. Das war in dem Moment ein wahnsinniger Schock, aber auch in diesem Fall fand ich es tröstlich, dass sie die – in meinen Augen – unwürdige Situation nicht länger ertragen musste.”

Wie hast du getrauert? 

„Wie schon gesagt, das Gefühl der Erleichterung hatte beim Tod meines Vaters am Anfang absolut die Oberhand. Dass er es endlich hinter sich hat. Die Trauer überkommt mich immer mal wieder, wenn etwas passiert, was ich ihm gerne noch erzählt hätte. Aber eigentlich ist er zum Beispiel durch Sprüche, die wir doch oft von ihm zitieren in unserem Leben noch sehr präsent. Ohne großen Schmerz und das ist echt toll, dass das funktioniert.”

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod? 

„Tatsächlich lese ich die Todesanzeigen in der Tageszeitung und werde schon nachdenklich, wenn mehrere junge Menschen oder Menschen in meinem Alter verstorben sind. Ich werde immer etwas demütig, wenn ich daran denke, wie gut ich es habe und kann es noch mehr wertschätzen.”

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt? 

„Weil jeder diesen Weg gehen wird. Und es ist für alle einfacher, wenn man sich schon mal darüber unterhalten hat, wie man sich beispielsweise seine letzte Ruhestätte vorstellt. Das Sterben gehört einfach zum Leben dazu und sollte ein normales Gesprächsthema sein. Auch die Trauer sollte zum normalen Lebensalltag gehören und mit ihr auch Hilfsangebote, wenn jemand mit der Trauer nicht umgehen kann. Es sollte normal sein, dass man Unterstützung sucht, sei es in Gesprächen oder mit anderen therapeutischen Maßnahmen.”

Wie können Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten? 

„Genau durch solche Arbeit, die ihr leistet. Das Thema darf kein Tabu mehr sein, es sollte dazugehören.”

Was ist dein Lieblings-Satz/Zitat zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„Bibel, Offenbarung 21, Verse 3 bis 5 „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.““

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung/dein Lieblings-… und warum?

  • Song: Rene Aubry, aus der Oper „Signes“: „Desordre“. Habe ich neulich in der Krankenhaus-Andacht laufen lassen – tröstliche Musik.  
  • Film: Winnetou 3, Winnetous Tod. Auch für Kinder eindrücklich, wie einschneidend der Tod ist.
  • Buch: Die Bibel, weil dort die natürliche / unzeitige / soziale / verschuldete und bebilderte Seite des Todes verknüpft werden mit den Themen „Sündenfall“, „Illusion“ und „Gerechtigkeit“.
  • Comic/Graphic Novel/Manga: Asterix & Obelix, weil dort der Tod im Gewand der Ironie eingebettet wird.
  • Malerei: Kirche Nepperwitz, Altarbild von Michael Fischer-Art
  • Kunst: Der Schwebende, Bronzeskulptur von Ernst Barlach

Wie ergänzt du folgenden Satz/folgende Sätze:

„Eines Tages werde ich sterben – bin gespannt, was dann passiert … 
Das Leben ist ein Spiel, eine ungewöhnlich intensive Reise.
Unsterblichkeit wäre toll, da dann die Einsichten der Weltreligionen zum Tragen kommen.“

Was hat dir geholfen, um mit einem Tod/Verlust klarzukommen? 

„Die Auseinandersetzung mit dem Tod auf dem Friedhof & religiöse Feiern & Gespräche mit Freund*innen.“

Wie hast du getrauert?

„Mal mit, mal ohne Tränen.“

Wie und in welcher Weise beschäftigst du dich mit dem Tod?   

„Der Tod kommt bei mir beruflich sehr regelmäßig vor: Zum einen durch die Beerdigungen, d. h. also Gespräche mit Trauernden und die Beerdigung selbst auf dem Friedhof; zum anderen in theologischen Formaten (Predigt im Gottesdienst; Seminare, Gruppengespräche, Seelsorge).“

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass sich jeder mit dem Leben, Sterben und Tod auseinandersetzt?   

„Bewusste und unbewusste Muster von Trauer & Abschied sind für so viele Alltags- und Sonder-Situationen des Lebens prägnant, dass die eigene Auseinandersetzung damit besonders wichtig ist.“  

Warum ist es wichtig, den Menschen Tod, Sterben und die eigene Endlichkeit näher zu bringen?

„Die Theologen-Schlaumeier-Antwort dazu heißt – „Achtung Framing“: Die Sache bekommt ganz neue Dimensionen, wenn es heißt „die eigene Endlichkeit und Ewigkeit näher zu bringen“.“

Hast du Empfehlungen, wie man den einzelnen Individuen in unserer Gesellschaft den Umgang mit Trauer, Verlust, Leid, Angst und Schmerz erleichtern kann, um damit einen besseren Umgang pflegen zu können?   

„Wir brauchen mehr Alltags-Begegnungs-Zeit mit dem Tod, bei Menschen und Tieren.“

Wie können Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?   

„Die drei genannten Bereiche haben sowohl eine destabilisierende Wirkung, in dem sie vorhandene Muster des Trauerns aufbrechen und infrage stellen. Sie haben auch eine stabilisierende Seite, in dem sie neue Bewältigungsmuster ermöglichen.“

Tod und Sterben

Eigentlich gibt es keinen endgültigen Tod. Es gibt nur Veränderung, Verwandlung – wohin, worin, wer weiß? Mancher hat die Zusagen seines Glaubens, doch über die Schwelle gehen wir immer allein und können auch niemand Liebes hinüberbegleiten. Das ist der Widerstand: das Ich, das wir uns geschaffen haben, aufzugeben. Das ist der Schmerz: das Zurückbleiben, das Zurücklassen, das Entgleiten und Verstummen. Und das ist die Angst: die Ungewissheit, wo und wie und als wer oder was wir neu werden. Und das werden wir: Wir sind Teil eines großen Musters und werden Teil eines neuen Musters, unser Leben ist nicht umsonst und wird nicht verschwendet sein.

Bei „Tod, Verlust und Trauer“ geht es insbesondere um das Leben und die Lebenden. Wie gehören für dich Tod und Leben zusammen?

„Der Anfang und das Ende oder, je nach Perspektive, vice versa. Schon in jungen Jahren – kann mich daran nicht mehr klar erinnern – sind die Eltern meiner Mutter gestorben. Mitte/Ende der 1990er erkrankte mein Vater und verstarb Anfang der 2000er Jahre. In der Schule ist mindestens ein Mitschüler während der Schulzeit verstorben. Man kann also sagen, dass ich damit relativ häufig konfrontiert wurde und mich dies stark geprägt hat. Zu meinem Leben gehörte leider auch alltägliches Mobbing inner- und außerhalb der Schule. Geschätzte zwei Dekaden. Selbst die Lehrer hatten Angst und ich spüre die Nachwirkungen immer noch. Vielleicht fand ich Gothic daher als Szene angenehm (auch wenn mein Besuch in ebenjener nicht lange gedauert hat, trage ich heute immer noch einige Einflüsse davon in mir). Dazu war ich auch Punk, Hardcore (das gitarrenlastige Genre, nicht die Electro-Variante), habe kurzfristig mit Rave zu tun gehabt und auch Hip Hop war dabei. Geblieben ist Gitarrenmusik, Gothic, Hip Hop und was mir sonst so gefällt. Vielleicht war auch das der Grundstein für Depressionen, Sozialphobie und dergleichen. Und dann fragt man sich häufig – so häufig, dass das schon nicht mehr gesund sein kann –, wieso, weshalb, warum und DAS soll das viel gepriesene Leben sein? Das macht anderen Menschen Spaß?”

Beschäftigst du dich selbst mit dem Tod? Und wenn ja, wie und in welcher Art, auf welche Weise?

„Auf diese und ähnliche Fragen (siehe vorangegangene Antwort) habe ich lange Zeit nicht mal im Ansatz Antworten gefunden und ich bin mir auch jetzt noch nicht sicher. Ich habe Gedichte geschrieben, die seit Oktober 2020 beziehungsweise Anfang 2021 in den Büchern „Kaleidoskop – Abschnitt” und „Kaleidoskop – Abschnitt 2” publiziert sind. Darunter sind welche, die sich auch mit Tod, Leben und dem Dazwischen beschäftigen (Liebe, Gefühle im Allgemeinen …). Und wenn man mich lässt, wird es auch weitere Teile geben. Die sind teilweise schon fertig oder in Arbeit.

Ansonsten höre ich entsprechend den genannten Genres Musik, die spaßig sein kann, aber häufig meine Gefühle widerspiegeln. Ich trage immer noch gerne Schwarz und in gewisser Weise trauere ich noch. Teile von mir kenne ich nicht mehr oder nicht so gut, sie sind düster geworden. Positives wird eher zweifelnd, skeptisch beäugt. Kann das wirklich sein? Dazwischen? Vielleicht einfach froh zu sein, sich mit keinem der beiden Extreme mal beschäftigen zu müssen. Gut und schlecht. Tod und Leben.”

Hast du bereits einen oder mehrere schwere Verluste erlitten, die dein Leben und Empfinden tief geprägt haben? Wie bist du damit umgegangen? Was hat dir geholfen, um es zu ertragen und zu überstehen?

„Die schon genannten habe ich erlebt. Ich empfinde sie als höchst belastend, unvorhersehbar und sehr final. Klar, logisch. Aber in der Konsequenz wird einem das frühestens in dem Moment bewusst, was das bedeutet. Ich kann der Person NIE mehr etwas sagen, NIE mehr gestehen (Unsinn, Liebe …), NIE mehr entschuldigen oder eine solche einfordern, NIE mehr irgendwas.

Als es mir zum ersten Mal deutlich schlechter ging, habe ich angefangen zu schreiben. Gedichte. Einige Texte sollten wohl mal Songtexte werden, aber sind letzten Endes bei den Gedichten gelandet. Ich habe dann in eher mäßigem Englisch geschrieben. Auch das war eine Entwicklung: Gefühle klar und deutlich in meiner Muttersprache zu artikulieren, hat ein wenig gedauert. Sie sind aber auf verschiedene Art interpretierbar (bilde ich mir), was es mir, denke ich, einfacher gemacht hat. Andere Prosatexte sind auch noch dabei herausgekommen. Nicht unbedingt bezogen auf Trauer und Tod, aber Verlust schon.”

Was ist und bedeutet Trauer für dich?

„Bei mir dürfte das Wort Trauer negativ konnotiert sein. Sehr viel Leid, noch mehr Last/Gepäck für die Seele/die Psyche, fürs Herz, ein weiterer Faktor für Schmerz, ein Mehr an PS für das Gedankenkarussell, das nun noch mehr Schwung erhält. Die Momente sind ganz selten, in denen ich dann eine Möglichkeit der Reifung, des Wachsens sehe. Vielleicht mag ich nicht? Vielleicht klingt das wie Verrat an der verstorbenen Person in meinen Ohren? Aus dem Ableben eines Menschen etwas Gutes ziehen zu wollen. Vielleicht wäre das gut, aber es ist gesellschaftlich nicht gerne gesehen und daher wieder mit viel zusätzlichem Druck verbunden.”

Wie hat sich Trauer für dich nach einem schweren Verlust angefühlt?
Was hast du empfunden? Wie hast du getrauert?

„Immer sehr tief, schmerzvoll, innig, leidvoll. Viel geweint und ab und an geschrieben. Dann, wenn ich es wieder konnte, meine ich. Oft auch so stark und intensiv, dass ich dachte, das Broken Heart Syndrome ist Teil von mir für den Rest meines Lebens. Kombiniert mit Musik, mein ständiger Begleiter. Das reicht von traurigen, depressiven Stücken bis hin zu etwas Schwung, meint: hart, aggressiv.”

Warum ist es deines Erachtens notwendig, dass wir uns selbst und in unserer Gesellschaft stärker mit dem Thema „Tod, Verlust und Trauer“ beschäftigen, es stärker in die Öffentlichkeit rücken und enttabuisieren?

„Weil das Thema häufig nur in „Randgruppen” passiert, es wird kaum aufgeklärt, es gibt kaum Hilfsangebote. Und auch, weil wir durch die Beschäftigung mit diesen Themen unser Leben besser wertschätzen könnten. Es wird gegebenenfalls besser deutlich, was benötigt wird und was wir ändern müssten, um die Lebensbedingungen zu ändern. Für mich würden dann eben deutlich bessere Lebensbedingungen für alle dazugehören: bedingungsloses Grundeinkommen. Island hat kürzlich ein Experiment für eine kürzere Wochenarbeitszeit durchgeführt und es führte zu gleichbleibender oder sogar besserer Produktivität sowie weniger Stress bei allen. Die Rente müsste auch verbessert werden und auch die gesundheitliche Versorgung. Das klingt viel und lässt sich einfach daher sagen, allerdings: Es ist dringend nötig und wir müssen langsam aber sicher Prioritäten setzen. Ein Erkenntnisgewinn könnte daher sein, dass mensch viel mehr das Leben genießen sollte (davon ausgehend, dass es das Einzige ist, was wir haben). Und auch damit wir nicht “komische” Sätze von uns geben: „Jetzt ist mal gut mit dem Weinen!“, „Heulsuse!“, „Weinerlich“, „Zu nah am Wasser gebaut”. (Sagt man gerne über sich selbst, aber ob es stimmt? Vielleicht ist man einfach nur „normal” empathisch und andere sind abseits der Norm? Man übernimmt dies dann vielleicht sehr einfach als „Wahrheit”.)”

Wie können dabei Kunst, Kultur und Bildung ihren Beitrag leisten?

„Bildung könnte – im Ethikunterricht beispielsweise – aufklären. Kunst und Kultur sind in meinen Augen immer gute Ideengeber gewesen. Vielleicht lohnt es sich, andere Kulturen näher zu betrachten, wie dort mit dem Tod umgegangen wird (Día de los Muertos in Mexiko für den Umgang damit, Karōshi als Bezeichnung für einen (vereinfach gesagt) bestimmten, durch Stress erzeugten Tod (von dort ist der Gedanke nun wirklich nicht mehr weit, dass es weniger Arbeit Bedarf und mehr Zeit für sich selbst und dennoch wird lieber ein neuer Begriff kreiert)). Gibt es Länder oder Kulturen, wo gelacht wird, das Positive im Vordergrund steht? Wieso sich nicht dabei etwas abschauen? Vielleicht hilft es zu begreifen, dass der Körper sich in einem Zyklus von sieben bis zehn Jahren neu generiert? Vielleicht das Bewusstmachen, dass der Körper schon ab den 20er Jahren abbaut. Als Atheist lese ich auch aus einer anderen Perspektive und „glaube” nicht an ein Leben danach. Ich bin aber weiterhin Teil des Kreislaufs und biete Nährboden für andere Lebewesen. Oder der Wissenschaft, wenn ich mich dafür entscheiden sollte, eine Körper- oder Organspende zu machen. Auch das angesprochene Mobbing lässt mich einen anderen Blickwinkel einnehmen, musste ich mich doch Fragen stellen wie: Das ist dieses Leben, was andere feiern? Und wenn die anderen Spaß haben, darf ich vielleicht nicht? Oder muss ich im Leid meine Freude finden? Nein, ich muss nicht leiden, nein, ich muss auch nicht an Leid Freude empfinden. Als jemand mit psychischen Erkrankungen und als Autist hab ich vielleicht nochmal eine andere Herangehensweise. Aber: Ob das wirklich so ist? Keine Ahnung. Ich habe mich noch nie so ausführlich mit anderen Gleichgesinnten darüber unterhalten. Kann es mir aber einfach vorstellen.
Oder mit Computerspielen: http://www.thatdragoncancer.com/#home – das entwickelt wurde, um Trauer verarbeiten zu können.

Was ist dein Lieblings-Satz/Zitat zum Thema Leben und Sterben/Tod, Verlust und Trauer?

„Ein Lieblingszitat habe ich nicht. Interessant finde ich unter anderem folgende:

„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.” Berthold Brecht
(Auch wenn ich häufig unsicher bin, ob das jemand überhaupt tut. Aus den Augen, aus dem Sinn?)

„I do not fear death. I had been dead for billions and billions of years before I was born, and had not suffered the slightest inconvenience from it.” – Mark Twain (Sinngemäß: Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich war schon tot für Milliarden von Jahren, bevor ich geboren wurde und darunter nicht zu leiden gehabt.)

Was ist – unter der Headline „Tod, Verlust und Trauer“ – deine Empfehlung/dein Lieblings-… und warum?

  • Song
    „Ich kann solche Dinge nicht kurz halten. Entschuldige. „Mein Tod” von WIZO, einfach weil es ein sehr früher, bewusst wahrgenommener Song zum Thema war. Ebenfalls von der gleichen Band „Hey Thomas” – unter dem Original-Video ist ein „markierter Kommentar” von jemandem, laut diesem handelt der Song von einem Verstorbenen aus dem Kreis vom Sänger Axel. Caliban mit „Memorial” und zahlreiche andere von dieser und anderen Bands.
  • Film/Serie
    „Ich mag Humor dabei, auch dunklen. Ich habe allerdings keine Serie oder einen Film im Kopf, der sich explizit damit beschäftigt. Ich habe allerdings auch schon sehr lange keinen Fernseher und schaue nur noch selten DVDs. Das meiste spielt sich online in Mediatheken ab. Vielleicht so etwas wie „Der Tatortreiniger”.”
  • Buch
    „Ich lese zwar viel, aber kein spezielles Buch über den Tod. Es sind meist Sachbücher (Mark Benecke, Lydia Benecke zum Beispiel), in denen diese Thematik vorkommt oder als Charakter bei zum Beispiel Terry Pratchett.”
  • Comic/Graphic Novel/Manga
    „Da fällt mir keines ein, in dem nur der Tod behandelt wird.”
  • Malerei
    „Muss ich passen. Obwohl, mir fällt Hieronymus Bosch ein. Ob der sich immer oder über mit dem Tod beschäftigt hat, weiß ich nicht. Und wenn, dann weiß ich namentlich keine Bilder.”
  • Kunst
    „Da weiß ich wieder nichts. Um ein bisschen mehr zu sagen: Gothic-Magazine wie Astan und Zillo mochte ich wegen ihrer Artikel zu abseitigen, aber dennoch düsteren Themen. Durch das Astan habe ich beispielsweise zum ersten Mal von Kutna Hora (einer Gebeinskirche) gehört. Vor rund zwei Jahren habe ich eine in Köln angesehen, beeindruckend (hier ist dann doch ein künstlerischer Aspekt, ha!). Dort musste ich einen Obolus hinterlassen und hatte nachher irgendwie den Gedanken: Hoffe, es geht nicht an die Kirche, sondern zur Raumpflege/Instandhaltung. Das war übrigens „Die Goldene Kammer” in der St. Ursula Kirche.”

Wie ergänzt du folgenden Satz/folgende Sätze:

  • Eines Tages werde ich sterben … und das ist bedauerlicherweise korrekt, schade und irritiert mich jetzt schon zutiefst, weil ich aufgehalten worden bin, mich selbst aufgehalten habe, um dieses eine Leben richtig leben zu können.
  • Das Leben ist … eigentlich ganz schön, wenn es mir „gut geht”. Aber es geht nie ohne Erinnerungen an Tod, Mobbing, Leid, Strafe, verpasste Gelegenheiten … und Loslassen hat mir nie jemand gezeigt, „erlaubt”, beigebracht, kein OK gegeben, dass ich das darf (Schuldgefühl gegenüber den Toten) …
  • Unsterblichkeit wäre … eine interessante Option, wenn man nicht krank werden würde, nicht älter und gebrechlicher wird und und und. Das würde es mir leichter machen mit dem Ganzen umgehen zu lernen (unter anderem das aus dem vorherigen Satz).